Nachklapp: Wieder- und Weiterverwendung  von Bauteilen aus dem Rückbau und dem Einsatz von Sekundärbaustoffen

Montag 04.05.26 | 13:30-16:30 Uhr | Kreishaus in Detmold

Die Bauwende ist keine Zukunftsmusik, sondern findet bereits statt

Beim Dialog mit Experten aus der Wirtschaft und der öffentlichen Hand wurde deutlich, dass kreislauffähiges Bauen und Urban Mining heute schon Realität sind. Die Praxis zeigt, dass wer frühzeitig umdenkt, nicht nur ökologischer, sondern langfristig auch wirtschaftlicher baut.

Vanja Schneider, Geschäftsführer der BauWerkKreis GmbH, belegt am Beispiel der Vergaberechten Umsetzung kreislauffähigen Bauens, was heute schon geht. In der Hamburger Hafenstadt entsteht derzeit das „gesündeste Haus Hamburgs“, ein Wohngebäude nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip mit einer vollständig wiederverwendbaren Fassade und einem Stahlbeton-Skelettbau, der später flexibel umnutzbar ist. Entscheidend für den Erfolg solcher Projekte ist die frühzeitige Einplanung sowie die Einbindung von Statikern und Bauphysikern von Anfang an. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Firmen diesen Weg aktiv mitgehen. Die Gewährleistung ist dabei keine Frage und das Ökologische ist nicht das Teure. Entscheidend ist schlicht die langfristige Betrachtung der Kosten.

Wie Urban Mining in der Praxis aussieht, demonstriert das Rathaus in Korbach. Stefan Bublak, Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt der Stadt Korbach, gibt Einblicke in den dortigen Neubau mit Recyclingbeton, der als quartiersbezogene Stadtreparatur konzipiert ist. Grundlage des Projekts ist eine Urban-Mining-Konzeptplanung, bei der alle Materialien so gefügt sind, dass sie später wieder sortenrein getrennt werden können. Mit einem selektiven Rückbau statt eines konventionellen Abbruchs und durch kurze Wege für die Materialien spart das geförderte Modellprojekt Kosten ein, die neue Fassade enthält sogar alte Ziegel aus dem Nachbargebäude.

Es gilt, sich Rat in spezifischen Fällen zu holen, Checklisten zu nutzen und die Allianz als Innovationsrunde zu aktivieren, um einzelne Projekte anzupacken und anschließend in die Politik zu gehen. Geplante Workshops und Vorträge für BürgermeisterInnen sowie FachbereichsleiterInnen binden die höheren Ebenen ein, während die Pressearbeit das Thema in die breite Öffentlichkeit trägt. Denn am Ende zählen auch kleine Erfolge. Jede zirkulär um-, weiter- und wiederverwendete Bauteilfraktion bringt wertvolle Erfahrungswerte und sorgt damit für die nötige Souveränität bei zukünftigen Großprojekten.

v.l.n.r. Stefan Bublak, Carolin Fischer, Vanja Schneider, Christina Schulte und Birgit Essling 

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